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EsoterikModerne Spiritualität

Neuer Shift, neue Ära, neues Portal – Wie das Astro-Business funktioniert

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Frau unter Sternenhimmel als Symbol für Astro-Marketing, kosmische Shifts und moderne Spiritualität
Foto © Jasmin Chew / Unsplash

Heute ist ein guter Tag, um loszulassen.“ So oder so ähnlich klingt es auffallend häufig auf spirituell-esoterischen Social Media-Accounts. Mal ist ein Planet rückläufig, mal öffnet sich ein Portal, mal beginnt ein neues Energiejahr oder irgendeine andere „magische“ Ära. Und jedes Mal wird daraus mehr als nur ein Datum im Kalender: ein Tag, an dem man zur Transformation eingeladen wird, die auffällig oft mit einem Angebot verbunden ist.

Für die meisten Menschen ist der Start ins neue Jahr der Zeitpunkt, um sich etwas vorzunehmen. In der modernen Spiritualität hingegen sind Momente für Neuanfänge und Shifts inzwischen über das ganze Jahr verteilt. Fast jeden Monat bietet das Astro-Business einen oder mehrere Anlässe, um sich neu auszurichten, zu manifestieren oder etwas Altes hinter sich zu lassen.

Wir möchten zeigen, warum Astrologie, Esoterik und moderne Spiritualität gerade so gut ineinandergreifen.

Astrologie liefert besondere Zeitpunkte, moderne Spiritualität macht daraus innere Arbeit, das Marketing dahinter liefert die passenden Angebote.

1. Spirituelle Influencer:innen sind Unternehmer:innen

Was bei spirituell-esoterischen Social-Media-Inhalten nahbar, persönlich und fürsorglich wirkt, ist für die Influencer:innen vor der Kamera normaler Business- und Verkaufsalltag. Auch wenn sie als Einzelpersonen auftreten, stehen dahinter Teams, die Redaktionspläne, Newsletter, Launches, Produkte und Kampagnen vorbereiten – oft Monate oder ein halbes Jahr im Voraus.

Die Frage für diese Unternehmen lautet täglich: Wie lassen sich Sinn, Heilung, Hoffnung, Orientierung, Entwicklung und die Sorgen, die vor allem Frauen beschäftigen, in Produkte, Kurse oder Events verwandeln? Dafür braucht es Anlässe. Und hier bietet sich ein Thema besonders an, das gerade stark im Trend liegt: Astrologie (Esoterik). Sie verspricht Sicherheit, Kontrolle und ein besonderes Wissen darüber, was gerade angeblich im eigenen Leben ansteht.

2. Der Astro-Kalender als Content-Lieferant

Astrologie eignet sich für neue Themen besonders gut, weil sie über das Jahr verteilt immer wieder Momente liefert, die sich aufgreifen und mit Bedeutung aufladen lassen: Vollmond, Neumond, Sonnenwende, Planetenkonstellationen oder die scheinbare Rückläufigkeit eines Planeten. Aus etwas, das am Himmel passiert, wird durch astrologische Deutung ein Thema für das eigene Leben.

Aus einem Vollmond wird ein Moment zum Loslassen, aus der rückläufigen Venus ein Thema über Beziehung, Selbstwert oder alte Muster. Aus Planeten- oder Sternenkonstellationen werden Shifts, neue Energien oder der Beginn einer neuen, energiereichen Lebensphase.

So oder so ähnlich kann er aussehen, der Terminkalender für das Astro-Business.

Für Anbieter:innen ist das ein idealer Kalender. Fast jeden Monat gibt es einen oder mehrere neue Anlässe für Posts, Meditationen, Masterclasses, Rituale oder Events. Bestehende Angebote lassen sich immer wieder neu rahmen: nicht als alter Kurs, sondern als passende Begleitung zu einem besonderen Moment.

Moderne Spiritualität, die das Astro-Business für sich nutzt: mit kosmischen Daten
So oder so ähnlich können die Angebote zu den jeweiligen Ereignissen aussehen, abhängig vom eigenen Portfolio der Anbieter:innen.

Nicht alles, was in solchen Kalendern auftaucht, ist Astrologie im engeren Sinn. Rauhnächte haben eher einen rituellen und brauchtümlichen Kontext, das Feuerpferd gehört zum chinesischen Tierkreis, Portaltage stammen aus modernen esoterischen Deutungssystemen. Dennoch haben sie für das Marketing alle eines gemeinsam: Sie klingen besonders, lassen sich magisch aufladen und liefern neuen Stoff für Social Media.

3. Das problematische Weltbild hinter dem Astro-Business

Für viele klingen die Inhalte und Angebote ansprechend. Man bekommt ein Ritual, eine Meditation, ein Gefühl von Gemeinschaft und immer wieder neue Momente geboten, an denen Veränderung möglich scheint. Man muss nicht bis zum Jahreswechsel warten, um sich neu auszurichten. Der nächste Shift, das nächste Portal oder die nächste kosmische Phase sind nie weit entfernt. Stillstand scheint es in dieser Welt nicht zu geben.

Hinzu kommt noch, dass viele spirituelle Influencer:innen auf Social Media genau das Lebensmodell präsentieren, das sich viele wünschen: tolle Familie, erfüllte Partnerschaft, schönes Haus, fester Freundeskreis, feminine Kleidung, Gesundheit, Erfolg und das alles voller Leichtigkeit und Fülle. Wenn diese Person dann sagt, dass gerade jetzt ein besonderer Moment für Transformation ist, wirkt das wie ein Weckruf: Du kannst das alles auch erreichen, wenn du folgst, mitmachst oder buchst.

Neptun ist rund 4,5 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, Uranus rund 2,9 Milliarden Kilometer. Und trotzdem sollen sie Hinweise darauf geben, was jemand hier auf der Erde gerade heilen, loslassen oder manifestieren soll.

Das Problem dieses Astro-Business ist, dass Menschen suggeriert wird, dass Planeten, Portale oder kosmische Energien Hinweise und Lösungen für den eigenen Lebensweg bieten. Dass ein extrem weit entfernter Planet etwas über individuelle, persönliche Beziehungsmuster, Geld, Selbstwert, Heilung oder den persönlichen Seelenweg aussagen kann. Oder dass „das Universum“ Zeichen sendet, den richtigen Zeitpunkt kennt oder Dinge für einen regelt.

Damit wird ein eindeutig esoterisches Denken normalisiert.

Gleichzeitig wird Verantwortung stark auf das Individuum verschoben: Du sollst loslassen, manifestieren, vertrauen, affirmieren, deine Blockaden lösen oder deine Frequenz erhöhen. Nicht zuletzt wird hier Hoffnung verkauft, häufig mit Aussagen, die keinen wissenschaftlichen Hintergrund haben, teils falsche oder nicht belegte Informationen enthalten und keine überprüfbare Wirkung versprechen können. Geld kosten sie trotzdem.

4. Was haben diese Tage mit Spiritualität zu tun?

Ziemlich wenig! Klassische Spiritualität beschäftigt sich mit Fragen nach Sinn, Bewusstsein, Gegenwart, Verantwortung und der Verbindung zum Leben. Im Mittelpunkt steht die bewusste Wahrnehmung von sich selbst, der Welt und dem eigenen Dasein.

Planeten, Portale, Frequenzen oder Energien gehören dagegen eher in den Bereich der Esoterik und des magischen Denkens. Hier wird angenommen, dass äußere Zeichen, Himmelsereignisse, Zufälle oder besondere Daten eine konkrete Bedeutung für das eigene Leben haben.

In der modernen Spiritualität wird auf Social Media oft beides vermischt. Esoterische Deutungen werden mit Begriffen wie Heilung, Selbstwert, innerer Arbeit, Manifestation, Transformation oder sogar Wissenschaft verbunden. Dadurch hört es sich spirituell und sinnvoll an, ist aber häufig vor allem ein System aus Deutung, Selbstoptimierung und kommerziellem Angebot.

Fazit – Der kosmische Shift kommt selten ohne Angebot

Wenn du in Zukunft also wieder einmal von einem „magischen Shift“, einer besonderen Energie oder einer neuen kosmischen Ära hörst, achte einfach einmal auf das Muster des Astro-Business dahinter: Erst wird das neue, magische Ereignis benannt. Dann wird erklärt, was du an diesem vermeintlich besonderen Tag loslassen, heilen, manifestieren oder transformieren kannst. Und am Ende gibt es ein passendes Angebot oder einen entsprechenden Event, der dich weiterbringen soll.

Und wo du jetzt den Hintergrund kennst, vielleicht lächelst du dann kurz und denkst: Das brauche ich nicht.

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Geschrieben von
Ute Kranz

Als Gründerin von HappyNotHappy und studierte Kommunikationswirtin mit über 20 Jahren Erfahrung in Medien und Marketing beschäftige ich mich damit, wie Selbstverwirklichung, Sinnsuche und Social Media zusammenhängen – und wie wir herausfinden, was wirklich zu uns passt.

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