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Erfahrungsberichte Esoterik

Bei der Heilpraktikerin für Psychotherapie: Zwischen Familienaufstellung und Reptiloiden

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Frau sitzt in einer Beratungssituation bei einer Heilpraktikerin für Psychotherapie und stellt Holzfiguren auf einem Tisch auf; im Hintergrund liegt ein Buch, aus dem schemenhaft eine reptilienartige Figur aufsteigt.

Der folgende Erfahrungsbericht wurde uns zur Veröffentlichung zugesandt. 

Ich habe euch auf Instagram entdeckt und dachte, meine Erfahrung könnte hier vielleicht passen. Es ist schon ein paar Jahre her, kommt aber immer mal wieder hoch, weil es einfach eine absurde Erfahrung war.

Also, Ende 2021 war ich beruflich festgefahren. Corona hat in meinem Berufsfeld einiges durcheinandergewirbelt. Ich war zu dem Zeitpunkt etwa 40, und es war mehr oder weniger notwendig, dass ich meine Arbeit verändern musste, um nicht unterzugehen. Die Dinge funktionierten nicht mehr so, wie es noch vor Corona war. Ich musste sichtbarer werden, aber es ging nicht. Ich sperrte mich dagegen, wusste aber nicht, warum es mir so schwerfiel, mich im Außen zu zeigen und zu präsentieren, was ich kann. Es war wie ein Fluch.

Ich hatte viel darüber gelesen und recherchiert und bin immer wieder auf die Idee gestoßen, dass solche Blockaden vielleicht mit der Familie oder der Herkunft zu tun haben. Zum Beispiel mit Rollen, die man als Kind übernimmt, mit Glaubenssätzen, Erwartungen oder inneren Verboten. Keine Ahnung, ich musste jedenfalls eine Lösung finden.

Ein Business-Coaching passte dafür nicht, und eine Psychotherapie wollte ich auch nicht anfangen. Mir ging es um eine konkrete Frage: Warum stecke ich ausgerechnet hier fest, und hat das vielleicht mit meiner Familie zu tun? Dann stieß ich auf die Webseite einer Heilpraktikerin für Psychotherapie in meiner Umgebung, deren Ausstrahlung und Angebot mich total ansprachen. Sie wirkte kompetent und bot genau das an, was ich brauchte: persönliche Entwicklung, innere Blockaden, familiäre Prägungen, Familienaufstellungen. Ich vereinbarte einen ersten Termin.

Die Atmosphäre war angenehm, und die Heilpraktikerin war sympathisch. Sie stellte Fragen, wie ich das auch aus einer früheren Therapie kannte. Nach einiger Zeit holte sie ein Brett und kleine Figuren aus Holz hervor, die ich frei aufstellen sollte: für mich und meine Familie je eine Figur, so wie es sich für mich richtig anfühlte.

Zunächst wirkte es interessant, aber dann änderte sich etwas. Wenn ich bei einer ihrer Fragen zögerte, hakte sie direkt nach, stellte die Frage nochmal. Als ich dann mal keine klare Antwort hatte, wurde sie ungeduldig, ja fast etwas schroff. Als sie fragte, was mich davon abhalten würde, einige Mitglieder meiner Familie loszulassen, wusste ich nicht, was ich sagen sollte, und dann kam immer mehr Druck auf. Ich vermute, sie wollte schnelle, intuitive Entscheidungen aus mir herauskitzeln, aber solche existenziellen Fragen kann man nicht mal eben beantworten.

Heilpraktiker:innen für Psychotherapie absolvieren keine staatlich geregelte Psychotherapieausbildung. Grundlage ist eine amtsärztliche Überprüfung beim Gesundheitsamt; die Vorbereitung darauf erfolgt häufig über Heilpraktikerschulen oder Fernlehrgänge. Voraussetzung für die Erlaubnis sind u.a. mindestens ein Hauptschulabschluss sowie gesundheitliche und persönliche Eignung. Dauer, Aufbau und Inhalte der Vorbereitung variieren je nach Anbieter; häufig dauern entsprechende Lehrgänge 1-2 Jahre.

Den Ton und dieses sehr forsche Rangehen fand ich extrem schwierig. Durch meine Erfahrung bei meiner Therapie zuvor wusste ich, dass Therapeut:innen ihren Patient:innen nie eine Richtung vorgeben sollen. Das war hier deutlich anders. Die Heilpraktikerin sagte, dass ich anderen „keine Wahl lassen dürfe“, dass es mein Leben sei und ich bestimmen müsse, was für mich richtig sei. Ich hatte immer mehr das Gefühl, in eine bestimmte Richtung geschoben zu werden.

Die Lösung, die sich auf dem Brett abzeichnete und in die ich mich einfühlen sollte, fühlte sich nicht richtig an. Für mein Gegenüber schien das Ergebnis wiederum klar: Ich muss mich von manchen aus meiner Familie trennen. Aber ich wusste gar nicht, ob ich das wollte. Und dass das überhaupt das Ziel einer Familienaufstellung ist, konnte ich mir auch nicht vorstellen. Noch viel entscheidender war aber: Würde eine solche Trennung wirklich mein Sichtbarkeitsproblem lösen? Das war für mich ehrlich gesagt schon sehr weit weg.

Als der Termin nach 1,5 Stunden vorbei war, war für mich schon klar, dass ich nicht wiederkommen werde. Und das, obwohl ich noch nicht wusste, was noch folgen würde. Bei der Verabschiedung wechselten wir noch ein paar Worte und sprachen über Corona und Politik. Und dann sagte sie plötzlich, so ganz nebenbei, dass die Menschen in der Regierung sowieso alle Reptiloide seien.

Ähm. What?

Sie erklärte noch ein wenig dazu, und dann zeigte sie auf ein großes, dickes Buch, das während meiner Sitzung die ganze Zeit gut sichtbar in meiner Nähe gelegen hatte. Auf dem Cover war ein Mann in voller Größe zu sehen, sitzend, mit einer spirituellen Geste. Ein Geistheiler, dessen Namen ich hier nicht weiterverbreiten möchte. Sie empfahl mir das Buch von Herzen. Es würde einem eine ganz andere Sicht jenseits des Mainstreams eröffnen. Als ich diesen „Geistheiler“ danach googelte, sah ich, dass er jede Menge Verschwörungsmythen verbreitet – auch die mit den Reptiloiden.

Damit war der ohnehin schon schwierige Inhalt der Aufstellung komplett hinüber, das konnte ich nicht ernst nehmen. Im Grunde war es rückblickend aber gar nicht so verkehrt, weil der Termin und sein Inhalt dadurch insgesamt seine Wirkung verloren hatten und es mir erspart blieb, weiterhin über Trennungen und Co. nachzudenken. Ein privates Vergnügen, das mich zwar 125 Euro gekostet hat, aber mir gleichzeitig auch eine Gewissheit gab: Vielleicht sind nicht alle so. Aber wenn ich noch einmal so ein Thema angehe, dann lieber wieder mit einer approbierten Psychotherapeutin – die ich dann auch gern privat bezahle.

Einschätzung der Redaktion

Dieser Erfahrungsbericht zeigt, wie schwierig es sein kann, Angebote von Heilpraktiker:innen für Psychotherapie richtig einzuschätzen. Besonders dann, wenn psychologische, systemische und esoterische Begriffe nebeneinanderstehen. Ein paar Punkte, die uns aufgefallen sind:

War das wirklich eine Familienaufstellung?
Nach der Schilderung war es zumindest eine Aufstellungsarbeit mit Figuren. Ob es eine Familienaufstellung im engeren Sinne war, lässt sich von außen nicht sicher sagen.

Was war problematisch?
Vor allem der Druck. Bei Themen wie Herkunftsfamilie, Abgrenzung oder möglichem Kontaktabbruch geht es um sehr persönliche Entscheidungen. Ratsuchende sollten nicht das Gefühl bekommen, in eine bestimmte Richtung gedrängt zu werden.

Hätte man eventuelle Hinweise oder Warnzeichen vorher sehen können?
Bei einer approbierten Psychotherapeutin stehen auf der Webseite meist anerkannte Verfahren oder fachliche Schwerpunkte, z. B. Verhaltenstherapie, Schematherapie, Psychoanalyse, systemische Therapie oder Traumatherapie. Bei Heilpraktiker:innen für Psychotherapie können dagegen sehr unterschiedliche Angebote nebeneinanderstehen, wie hier beispielsweise Aufstellungsarbeit, persönliche Entwicklung, energetische oder spirituelle Methoden. Das fällt einem vielleicht nicht sofort auf, wenn man eine Webseite besucht. Mit einem konkreten Thema sucht man in erster Linie Begriffe, die dazu passen. Deshalb ist das Gesamtbild wichtig: Geht es um Beratungsmethoden oder spielt auch ein esoterisches Weltbild eine Rolle?

Worauf kann man vorher achten?
Bei Webseiten von Heilpraktiker:innen für Psychotherapie können Begriffe wie z. B. Heilkraft, geistige Führung, Energiearbeit, Heilchanneln, Sternzeichen, Quantenheilung, Rückführung oder schamanische Heilreisen Hinweise darauf sein, dass nicht nur psychologisch gearbeitet wird, sondern auch esoterische Praktiken eine Rolle spielen. Auf welche Begriffe du achten kannst, findest du in unserem Artikel über magisches Denken.

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Geschrieben von
Redaktion

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