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Erfahrungsberichte Esoterik

Tarot bei einer Schamanin – „Viele Versprechen, doch nichts ist eingetreten“

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Drei zerrissene Tarotkarten mit den Motiven Sonne, Stern und Welt liegen nebeneinander auf einer farbigen Oberfläche.

Eine Leserin hat uns eine rund drei Jahre alte Aufzeichnung einer Sitzung zugeschickt, die sie damals bei einer Schamanin gebucht hatte. Auf ihrer Website beschreibt die Anbieterin, mit hellsichtigen Wahrnehmungen zu arbeiten und Karten zu legen. Die Leserin hat uns die Aufnahme zur Verfügung gestellt, damit wir die Inhalte dieser Sitzung im Rahmen unserer Erfahrungsberichte betrachten können.

Die Leserin erhoffte sich bei dieser Sitzung Antworten auf konkrete Fragen, die sie zum damaligen Zeitpunkt beschäftigten: Sollte sie in ihrer Partnerschaft bleiben oder gehen? Würde sich beruflich etwas verändern? Und warum reichte das Geld trotz großer Anstrengung nicht aus, obwohl sie freiberuflich hart arbeitete?

Der Ablauf der Sitzung

Die etwa eineinhalbstündige Sitzung bestand aus mehreren Teilen: Zunächst beschrieb die Anbieterin ihre Wahrnehmungen zur Situation der Kundin. Anschließend folgte eine längere geführte Trance-Sequenz mit Trommelbegleitung, bevor schließlich die Karten gelegt wurden.

Die Ahnen und die „blockierte weibliche Kraft“

Zu Beginn der Sitzung standen nicht die konkreten Fragen der Leserin im Mittelpunkt, sondern die Anbieterin begann sofort mit eigenen Wahrnehmungen. Sie erklärte, hinter der Kundin würden ihre Mutter, ihre Großmutter und weitere Frauen aus der Ahnenlinie stehen. Diese Frauen beschrieb sie zunächst als „aufgereihte Leichen“. Sie korrigierte sich dann und erklärte, es gehe nicht darum, dass sie tot oder leblos seien, sondern dass sie von ihrer eigenen Kraft abgeschnitten seien beziehungsweise diese nicht ausdrücken könnten.

Aus dieser Beschreibung entwickelte sie eine Erklärung für die aktuelle Lebenssituation der Kundin. Die Schwierigkeiten in ihrem Leben wurden mit der Ahnenlinie verbunden: Die blockierte Kraft der weiblichen Vorfahren wirke demnach bis in die Gegenwart der Kundin hinein.

Die geführte Reise

Anschließend führte die Schamanin die Kundin durch eine längere geführte, tranceähnliche Reise. Sie sollte die Augen schließen, sich verschiedene Bilder vorstellen und auf körperliche Empfindungen achten. Begleitet wurde diese Phase durch Trommeln und minutenlangen, lauten Gesang, wodurch eine intensive, ritualartige Atmosphäre entstand.

Dabei entstanden zahlreiche symbolische Szenen: Die Teilnehmerin betrat in ihrer Vorstellung einen Garten mit einem heiligen Brunnen, aus dem bereits Maria Magdalena geschöpft habe. Wurzeln sollten aus ihren Fußsohlen wachsen und Belastungen in die Erde ableiten.

Zudem beschrieb die Schamanin Affen, die sie symbolisch „entlausen“ und ihr „die Flausen aus dem Kopf“ ziehen würden.

Außerdem sprach sie eine Formel, mit der fremde Mächte und „anorganische Wesen“ aus dem Energiesystem der Teilnehmerin entfernt beziehungsweise verbannt werden sollten. Sie beschrieb weiterhin einen silbernen Schutzmantel, der sich um sie lege und alles, was auf sie einströme, „zurückreflektiere“.

Während dieser Phase erklärte die Schamanin, dass alte Belastungen gelöst würden, die Ahninnen wieder in ihre Kraft kämen und die Kundin Unterstützung durch ihre weibliche Ahnenlinie sowie geistige Begleiter erhalten würde.

Am Ende erhielt sie symbolisch eine Krone, ein spezielles Tuch, sowie eine Meise mit einem Wurm im Schnabel, die als zurückgekehrter, „genährter“ Seelenanteil gedeutet wurde.

Während der gesamten Reise griff die Schamanin immer wieder Aussagen auf, die die Teilnehmerin selbst zuvor gemacht hatte. Themen wie ihre Verbindung zur Natur, ihr Gefühl, nicht richtig in ihren Alltag zu passen, ihre Kindheit und ihre Beziehung zu ihren Eltern wurden unmittelbar in die bestehende Erzählung eingebunden.

Die Tarotkartenlegung

Nachdem inzwischen eine umfangreiche Deutung aufgebaut worden war, kam die Sitzung zu den konkreten Fragen der Leserin und zur Kartenlegung.

Bei der Frage nach der Partnerschaft deutete die Anbieterin die Karten dahingehend, dass die „Liebe des Lebens“ an einem öffentlichen Ort erscheinen werde, beispielsweise in einem Café, an einem See oder am Arbeitsplatz.

Auch der Wunsch nach einem Umzug wurde aufgegriffen. Die Anbieterin erklärte, dieser werde „auf jeden Fall“ kommen und große Freude bringen, obwohl die Entscheidung zum damaligen Zeitpunkt noch nicht getroffen worden war.

Ein aufgelöstes Karma sei dafür mitverantwortlich, da „der Wind jetzt so steht“.

Bei der finanziellen Situation deutete sie die Karten so, dass sich das „kleine Geld“ zum „großen Geld“ entwickeln werde. Voraussetzung sei, dass die Kundin lernen müsse, zu empfangen.

Auch beruflich wurde eine Veränderung angekündigt. Es liege noch etwas „im Verborgenen“, eine Fähigkeit oder Möglichkeit, die später aktiviert werden könne.

Alle Zukunftsaussagen wurden an Bedingungen geknüpft: Die Anbieterin stellte zuünftige Entwicklungen als eine Entscheidung zwischen „Licht“ und „Schatten“ dar. Die Kundin könne sich entweder für den neuen Weg entscheiden oder sich wieder von alten Mustern und „dunklen Energien“ zurückziehen lassen.

Empfehlungen und letzte Impulse

Neben der Tarotlegung verwies die Schamanin außerdem auf weitere Inhalte und Angebote aus ihrem Umfeld. Sie empfahl eigene Videos, z. B. mit Ritualen, bei dem der Unterleib mit Kräuterdampf behandelt wird, sowie weitere Personen mit alternativen Heil- oder Beratungsangeboten. Als Beleg für die Wirksamkeit ihrer Arbeit erzählte sie zudem von einer Bekannten, bei der nach dem energetischen Ablösen eines Nabelschmucks eine körperliche Entzündung aufgetreten sei.

Am Ende der Sitzung gab sie der Kundin verschiedene Impulse für die Zukunft: Sie solle regelmäßig Zeiten der Stille einlegen, bestimmte Inhalte wiederholt anhören und Rituale für sich durchführen.

Drei Jahre später

Unsere Leserin hörte sich die Aufnahme kürzlich erneut an. Dabei stellte sie fest, dass keine der damals angekündigten Entwicklungen eingetreten ist.

Einschätzung der Redaktion

Ein umfassendes esoterisches Heil- und Deutungssystem

Die Aufzeichnung zeigt eine Sitzung aus dem Bereich der modernen Esoterik. Auch die öffentliche Selbstdarstellung auf der Webseite der Anbieterin bestätigt dieses Bild: Sie verbindet unterschiedliche esoterische Praktiken und Deutungsmodelle miteinander und stellt diese als Wege zur Heilung, Transformation und Lösung persönlicher Probleme dar. Schamanische Vorstellungen, Hellsichtigkeit, Energiearbeit, Ahnenarbeit, Seelenanteile und Kartenlegen werden zu einem umfassenden Deutungs- und Heilsystem verbunden, das zahlreiche Lebensbereiche umfasst.

Die verschiedenen Bestandteile stehen dabei nicht unabhängig nebeneinander, sondern greifen ineinander. Konkrete Fragen zu Partnerschaft, Beruf oder Geld werden in eine größere Erzählung über Ahnen, Energien, Blockaden und persönliche Entwicklung eingebettet. Die aktuellen Schwierigkeiten werden mit verborgenen Ursachen erklärt, die durch die angebotenen Methoden erkannt, gelöst oder verändert werden sollen.

Der Begriff „Schamane“ oder „Schamanin“ ist in Deutschland nicht geschützt. Es gibt keine staatlich geregelte Ausbildung dafür. Grundsätzlich kann sich also jede Person so nennen und unter diesem Begriff Heilung, Energiearbeit, Kartenlegen, Seelenreisen, Ahnenarbeit oder Ähnliches anbieten.

Wie persönliche Probleme in ein esoterisches Deutungssystem eingebettet werden

Auffällig ist unseres Erachtens die Reihenfolge der Sitzung: Bevor die eigentlichen Fragen der Kundin ausführlich besprochen werden, entsteht bereits ein umfassender Deutungsrahmen. Die später genannten Themen werden anschließend in diesen Rahmen eingeordnet.

Zudem fällt auf, wie stark Informationen der Kundin im Laufe des Termins in die Deutung einfließen. Persönliche Aussagen zu Familie, Beruf, Sorgen und Wünschen werden aufgenommen und anschließend in das bestehende esoterische Erklärungssystem eingebaut. Aus eigenen Erlebnissen und Gedanken der Kundin werden dadurch Hinweise auf vermeintliche Ahnenbelastungen, Blockaden oder verborgene Ursachen.

Dieses Vorgehen ähnelt Mechanismen des sogenannten Cold Reading: Aussagen werden durch Reaktionen und Informationen des Gegenübers zunehmend konkretisiert. Dadurch kann der Eindruck entstehen, jemand verfüge über besondere Erkenntnisse, obwohl wesentliche Informationen erst im Gespräch selbst entstehen.

Tarot und die Frage nach überprüfbaren Aussagen

Auch die Kartenlegung findet erst statt, nachdem zentrale Themen bereits ausführlich besprochen wurden. Die Karten greifen anschließend genau diese Bereiche wieder auf: Beziehung, Geld, Beruf und Veränderung. Dadurch wirken sie wie eine Bestätigung der zuvor entwickelten Darstellung.

Die konkreten Zukunftsaussagen bleiben dabei schwer überprüfbar. Ein Umzug sollte demnach „auf jeden Fall“ kommen, der Zeitpunkt blieb jedoch offen. Finanzielle Fülle sollte entstehen, sobald die innere Bereitschaft dafür vorhanden sei. Berufliche Möglichkeiten lägen verborgen und könnten später auftauchen.

Tarot ist ein esoterisches Deutungssystem, bei dem Karten mit Symbolen und Bildern interpretiert werden. Es wird zur Zukunftsdeutung und zur Interpretation persönlicher Lebenssituationen genutzt. Wissenschaftliche Belege für eine tatsächliche Vorhersage zukünftiger Ereignisse gibt es nicht.

Hinzu kommt, dass die Zukunftsaussagen mit Bedingungen verknüpft werden. Die weitere Entwicklung wird als Entscheidung zwischen einem neuen Weg („Licht“) und dem Zurückfallen in alte Muster („Schatten“) dargestellt. Damit wird das Eintreten der angekündigten Veränderungen an die innere Entwicklung der Kundin gekoppelt.

Wenn eine angekündigte Entwicklung nicht eintritt, besteht für die Anbieterin weiterhin die Möglichkeit, dies mit fehlender Offenheit oder noch bestehenden Blockaden zu erklären.

Drei Jahre später

Drei Jahre später zeigt sich für die Leserin: Sie war mit konkreten Fragen zu Beziehung, Beruf und Geld in die Sitzung gegangen, doch keine der angekündigten Entwicklungen ist eingetreten. Was zunächst Hoffnung und ein positives Gefühl vermittelt hatte, erwies sich im Rückblick als nicht eingetroffen.

Die Aufzeichnung zeigt, wie aus persönlichen Informationen, symbolischen Bildern und Karten eine stimmige Geschichte entstehen kann und warum sich die tatsächliche Aussagekraft solcher Aussagen oft erst mit zeitlichem Abstand überprüfen lässt.

Und wer weiterhin an diese Vorhersagen glaubt, wird sich nach dem Ausbleiben der angekündigten Veränderungen möglicherweise immer noch fragen, ob man sich vielleicht doch noch zu häufig im „Schatten“ befunden habe…

Transparenzhinweis: Dieser Erfahrungsbericht wurde von uns zur Veröffentlichung vollständig anonymisiert. Alle persönlichen Angaben wurden zum Schutz der betroffenen Person entfernt oder verändert.

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Geschrieben von
Ute Kranz

Als Gründerin von HappyNotHappy und studierte Kommunikationswirtin mit über 20 Jahren Erfahrung in Medien und Marketing beschäftige ich mich damit, wie Selbstverwirklichung, Sinnsuche und Social Media zusammenhängen – und wie wir herausfinden, was wirklich zu uns passt.

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