Wer nach Wegen sucht, besser mit Stress im Alltag klarzukommen oder abends leichter runterzufahren, stolpert früher oder später über Ashwagandha. Auf Social Media wird es empfohlen und auch KIs nennen es oft als mögliche Unterstützung bei Stress oder innerer Unruhe. Weil es sich um eine traditionell verwendete, frei erhältliche Pflanze handelt, erscheint Ashwagandha vielen als sympathischere Alternative zu Medikamenten oder auch zu Mitteln wie CBD-Produkten oder medizinischem Cannabis.
In Hinweisen und Warnungen wird jedoch deutlich, dass auch Nahrungsergänzungsmittel Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen haben können. Darüber wird allerdings deutlich seltener gesprochen als über bessere Nerven und besseren Schlaf. Deshalb geht es in diesem Artikel vor allem um die möglichen Einschränkungen.
Was Ashwagandha ist und wie es beworben wird
Ashwagandha, auch Schlafbeere genannt, ist ein Nachtschattengewächs und stammt aus eher trockenen, warmen Regionen, beispielsweise aus Teilen Indiens und des Nahen Ostens. In der ayurvedischen Tradition werden vor allem die Wurzel und teilweise auch die Beeren seit Langem verwendet. Heute begegnet man der Pflanze bei uns in der Regel verarbeitet: als Kapseln, Pulver oder Tropfen in Drogerien oder Online-Shops.
Besonders häufig wird das Präparat im Zusammenhang mit weniger Stress, mehr innerer Ruhe, besserem Schlaf oder einem gesenkten Cortisolspiegel genannt. Oft fällt dabei auch der Begriff Adaptogen. Gemeint ist die Idee, dass bestimmte Pflanzen den Körper dabei unterstützen sollen, besser mit Stress und Belastungen umzugehen. Diese Vorstellung klingt schlüssig und trägt sicher dazu bei, dass entsprechende Präparate im Moment so gefragt sind.

Für wen Ashwagandha nicht ohne Weiteres passt
In Produktinformationen und Fachtexten tauchen mehrere Hinweise auf, die vor der Einnahme wichtig sein können. Besonders vorsichtig sollten Menschen mit Schilddrüsen- oder Herzerkrankungen, Diabetes, Autoimmunerkrankungen oder Lebererkrankungen sein.
- Bei Schilddrüsenerkrankungen ist Vorsicht sinnvoll, weil Ashwagandha Schilddrüsenwerte beeinflussen kann. In Fachinformationen wird beschrieben, dass der Pflanzenstoff mit Veränderungen von TSH, T3 und T4 in Verbindung stehen kann. Relevant ist das vor allem bei bestehenden Schilddrüsenerkrankungen, einer Neigung zur Überfunktion oder bei Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten.
- Bei Autoimmunerkrankungen wird zur Rücksprache geraten, da die Inhaltsstoffe das Immunsystem beeinflussen kann. Das kann zum Beispiel bei Hashimoto-Thyreoiditis, Lupus, Multipler Sklerose oder rheumatischen Autoimmunerkrankungen eine Rolle spielen.
- In Schwangerschaft und Stillzeit wird die Einnahme in der Regel nicht empfohlen, weil belastbare Sicherheitsdaten fehlen. Auch Frauen mit Kinderwunsch sollten vorsichtig sein und die Einnahme vorher ärztlich abklären.
- Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollte Ashwagandha nicht einfach zusätzlich genommen werden. Genannt werden mögliche Wechselwirkungen unter anderem mit Immunsuppressiva, Blutdruck- und Blutzuckermedikamenten sowie Schilddrüsenmedikamenten. Auch bei Schlaf- und Beruhigungsmitteln wird teils zur Vorsicht geraten.
- Bei Diabetes oder Herzerkrankungen ist ebenfalls Vorsicht sinnvoll, weil mögliche Effekte auf Blutzucker oder Blutdruck diskutiert werden. Wer entsprechende Medikamente nimmt, sollte die Einnahme vorher abklären.
- Menschen mit einer bestehenden Lebererkrankung sollten Ashwagandha-Produkte nicht einnehmen. Außerdem gibt es einzelne Berichte über Leberschäden, meist nach längerer Anwendung. In vielen Fällen besserten sich die Beschwerden nach dem Absetzen, vereinzelt wurden auch schwere Verläufe beschrieben.
Kurz gesagt: Wer Vorerkrankungen hat, Medikamente nimmt, schwanger ist, stillt oder einen Kinderwunsch hat, sollte diese Nahrungsergänzung nicht einfach nebenbei einnehmen, sondern vorher ärztlich oder in der Apotheke abklären. Für Kinder wird die Einnahme in der Regel nicht empfohlen.
Pflanzlich heißt nicht automatisch unbedenklich
Wer Ashwagandha kaufen möchte, sollte nicht nur auf Begriffe wie Stress, Schlaf oder Balance achten, sondern auch auf Warnhinweise, Dosierung und mögliche Einschränkungen. Auf der Verpackung sollte klar stehen, für wen das Präparat nicht geeignet ist. Außerdem nennt die Verbraucherzentrale als Orientierung maximal drei Gramm Ashwagandha beziehungsweise maximal zehn Milligramm Withanolide pro Tag.
Weitere Informationen
- Klartext Nahrungsergänzung (Verbraucherzentrale): Welche Wirkung hat Ashwagandha und wo können Gefahren liegen?
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Schlafbeeren-Präparate mit möglichen Gesundheitsrisiken
- Pharmazeutische Zeitung: Wichtige Kontraindikationen bei Ashwagandha-Präparaten




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