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Coaching

Coaching mit ChatGPT – 5 Tipps zum Schutz deiner Privatsphäre

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Junge Frau mit Kopfhörern schaut auf ihr Smartphone und nutzt ChatGPT möglicherweise für ein Coaching.
Foto © Daniel J. Schwarz / Unsplash

Immer mehr Menschen nutzen ChatGPT inzwischen für Coaching oder sogar für therapeutische Ansätze, um über Beziehungsthemen, Jobstress, Zweifel, Ängste, Familie, Einsamkeit oder überfordernde Entscheidungen zu sprechen. Mit der Sprachfunktion kann sich das wie ein normales Gespräch mit einer Freundin oder einem Freund anfühlen – und man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran.

Was mit der Zeit schnell in Vergessenheit geraten kann: ChatGPT ist kein Tagebuch, kein geschützter Therapieraum und kein Gespräch mit Schweigepflicht, sondern ein technisches System, das Eingaben verarbeitet, speichert und je nach Einstellung auch zur Verbesserung von Modellen nutzen kann. Das heißt nicht, dass jemand aktiv mitliest, aber es ist wichtig zu wissen, dass persönliche Informationen nicht einfach weg sind, z. B. nachdem man den Thread gelöscht hat.

Wenn du bereits sensible Dinge geteilt hast oder ChatGPT regelmäßig für persönliche Themen nutzt, lohnt es sich, ein paar Einstellungen vorzunehmen und bewusster mit deinen Eingaben umzugehen. So kannst du das Angebot weiter nutzen, ohne unnötig viele private Informationen an einen einzigen Account zu hängen. Hier sind fünf einfach umzusetzende Tipps, mit denen du deine Privatsphäre besser schützen kannst.

1. Neutrale E-Mail-Adresse verwenden

Wenn du ChatGPT für deine persönlichen Fragen und Themen verwendest, sollte dein Account am besten nicht direkt mit deinem echten Namen verbunden sein. Besonders bei einem kostenlosen Konto bei OpenAI ist das leicht umzusetzen: Nutze lieber eine neutrale E-Mail-Adresse oder einen Alias statt einer Adresse mit Vor- und Nachnamen.

Also besser nicht: julia.mustermann@…

Sondern eher: notizen2026@…, reflexion-mail@… oder chat-account@…

Eine neutrale E-Mail-Adresse ist schnell angelegt. Wir haben zum Beispiel mit Proton Mail gute Erfahrungen gemacht. Das macht dich zwar nicht vollständig anonym, verhindert aber, dass dein ChatGPT-Account sofort mit deinem echten Namen verbunden ist.

Wichtig: Auch im Chat selbst solltest du keine echten Namen, Adressen, Telefonnummern, Arbeitgeber, Diagnosen oder andere eindeutige Details nennen. Arbeite lieber mit Platzhaltern, veränderten Angaben oder Formulierungen wie „eine Freundin erlebt gerade …“. ChatGPT braucht meistens die Dynamik einer Situation, nicht deine echten Daten.

2. Training deaktivieren

Der wichtigste erste Schritt ist, das Training mit deinen Chats zu deaktivieren. Das verhindert, dass deine neuen Eingaben zur Verbesserung der Modelle verwendet werden. Damit wird ChatGPT zwar noch nicht zu einem geschützten Raum für deine Gespräche, aber du reduzierst zumindest, wofür deine Eingaben verwendet werden dürfen.

So findest du die Einstellung:
Einstellungen → Datenkontrollen → „Modell für alle verbessern“ → ausschalten

Screenshot der ChatGPT-Datenkontrollen mit ausgeschaltetem Modelltraining, deaktivierten Audioaufnahmen und ausgeschaltetem genauen Standort für sicheres Coaching
Für mehr Privatsphäre beim Coaching mit ChatGPT: „Modell für alle verbessern“ ausschalten, Audioaufnahmen nicht einbeziehen und den genauen Standort deaktiviert lassen.

Wichtig: Diese Einstellung betrifft ausschließlich die Nutzung deiner Inhalte für Trainingszwecke. Deine Chats können trotzdem in deinem Account gespeichert bleiben. Und auch beim Löschen von Threads gibt es keine einfache Garantie nach dem Motto: Danach ist alles sofort und endgültig weg. OpenAI beschreibt zwar Löschfristen, nennt aber auch Ausnahmen, etwa aus rechtlichen oder sicherheitsbezogenen Gründen.

3. Temporary Chat für besonders sensible Themen

Wenn es um sehr persönliche oder intime Themen geht, kann ein temporärer Chat sinnvoll sein. Das betrifft zum Beispiel Gespräche über Gesundheit, Familie, Scham, Angst, rechtliche Fragen oder Dinge, die du später nicht dauerhaft in deinem Verlauf sehen möchtest.

In temporären Chats fehlt allerdings genau das, was viele beim Coaching mit ChatGPT wichtig finden: die Erinnerung. ChatGPT kennt dann deinen bisherigen Kontext nicht oder nur das, was du in diesem Gespräch erneut erzählst.

Temporary Chat ist deshalb keine perfekte Lösung für regelmäßige Selbstreflexion. Aber für besonders sensible Themen kann es sinnvoll sein, bewusst auf Erinnerung zu verzichten.

Wichtig: Temporary Chat ist etwas sicherer für einzelne sensible Themen, weil der Chat nicht im normalen Verlauf landet, keine Erinnerungen erstellt und nicht fürs Training genutzt wird. Er ist aber auch kein geschützter Raum: Auch temporäre Chats können für eine begrenzte Zeit gespeichert und geprüft werden. Deshalb gehören auch dort keine echten Namen, Diagnosen, Adressen oder sehr privaten Dokumente hinein.

3. Account regelmäßig wechseln

Wenn du ChatGPT für dein persönliches Coaching oder Selbstreflexion nutzt, solltest du deinen Account am besten nicht wie ein dauerhaftes Lebensarchiv behandeln. Je länger du denselben Account nutzt, desto mehr persönlicher Kontext sammelt sich dort an: Themen, Fragen, Beziehungsmuster, berufliche Konflikte oder Dinge, die du vielleicht irgendwann gar nicht mehr mit diesem Account verbunden haben möchtest.

Eine einfache Möglichkeit ist, alle zwei bis drei Monate mit einem neuen Account oder einer neuen neutralen E-Mail-Adresse weiterzumachen. Das ist besonders sinnvoll, wenn du ChatGPT regelmäßig für Selbstreflexion, Coaching-Fragen oder persönliche Themen nutzt.

Wichtig ist: Den alten Account nicht einfach liegen lassen, sondern anschließend aktiv die Löschung deiner personenbezogenen Daten anfordern. Nur ausloggen oder Chats aus der Seitenleiste löschen ist nicht dasselbe.

Wichtig: Wenn du regelmäßig den Account wechselst, verhinderst du, dass sich über lange Zeit ein immer größerer persönlicher Kontext an einem einzigen Ort sammelt. Danach solltest du für den alten Account die Löschung deiner personenbezogenen Daten verlangen.

4. Erinnerung bewusst nutzen und Threads regelmäßig löschen

Die Erinnerungsfunktion ist praktisch, wenn du ChatGPT wie einen Coach oder eine Gesprächspartnerin nutzt. Man muss nicht jedes Mal alles neu erklären, und das Gespräch bekommt mehr Zusammenhang. Gleichzeitig wird der Account dadurch persönlicher. ChatGPT kann sich Dinge merken, die für spätere Gespräche hilfreich sind, aber vielleicht nicht dauerhaft gespeichert bleiben sollen.

Screenshot der ChatGPT-Einstellungen zum Chatverlauf mit markierter Option „Alle Chats löschen“.
Vor der Account-Löschung: alte Chats entfernen, nicht nur aus dem Verlauf ausblenden.

Daher lohnt es sich, regelmäßig aufzuräumen: gespeicherte Erinnerungen prüfen, zu private Erinnerungen löschen und ältere oder sensible Threads aus dem Verlauf entfernen. Gut zu wissen ist: Wenn du einen alten Thread löschst, heißt das nicht automatisch, dass auch gespeicherte Erinnerungen daraus verschwinden. Chatverlauf und Erinnerung sind zwei verschiedene Dinge.

Wichtig: Erinnerung kann Coaching mit ChatGPT hilfreicher machen. Aber je mehr gespeichert bleibt, desto persönlicher wird dein Account. Nutze die Funktion bewusst und lösche Threads regelmäßig, was nicht dauerhaft bleiben soll.

5. Datenlöschung aktiv anfordern

Wenn du einen alten Account nicht mehr nutzt, solltest du ihn nicht einfach liegen lassen. Entferne zuerst alles, was du selbst löschen kannst: alte Threads, hochgeladene Dateien und gespeicherte Erinnerungen.

Danach solltest du zusätzlich aktiv die Löschung deiner personenbezogenen Daten anfordern. Das ist etwas anderes, als nur einzelne Threads zu löschen. Bei einer Datenlöschung geht es um alle personenbezogenen Daten, die mit diesem Account verbunden sind: Chatverläufe, hochgeladene Dateien, gespeicherte Informationen, Nutzungsdaten und Kontoinformationen.

Sende diese Anfrage über das OpenAI Privacy Portal oder per E-Mail an dsar@openai.com.

Betreff: Bitte um Löschung meiner personenbezogenen Daten

Sehr geehrte Damen und Herren,

bitte löschen Sie alle personenbezogenen Daten, die mit folgender E-Mail-Adresse verbunden sind:

[DEINE E-MAIL-ADRESSE]

Dies betrifft insbesondere Chatverläufe, hochgeladene Dateien, gespeicherte Informationen, Nutzungsdaten und Kontoinformationen.

Bitte bestätigen Sie mir die Löschung. Falls bestimmte Daten aus rechtlichen Gründen nicht gelöscht werden können, bitte ich um kurze Information.

Mit freundlichen Grüßen
[NAME]

Wichtig: Einen Account zu wechseln hilft nur dann wirklich, wenn der alte Account nicht dauerhaft als Datenarchiv bestehen bleibt. Deshalb nach dem Wechsel nicht nur ausloggen, sondern Löschung anfordern.

Was könnte im schlimmsten Fall passieren

Es geht uns mit diesem Artikel nicht darum, Angst vor ChatGPT zu machen oder Panik zu verbreiten. Seine Privatsphäre sollte man immer bestmöglich schützen und das gilt besonders für sehr persönliche, intime oder belastende Themen. Bei digitalen Diensten lässt sich nie vollständig ausschließen, dass es technische Fehler, Datenlecks oder rechtliche Ausnahmesituationen gibt.

Außerdem ist für Nutzerinnen und Nutzer nicht immer transparent, wie lange bestimmte Daten tatsächlich gespeichert bleiben oder wann sicherheitsbezogene Prüfungen greifen. Das heißt nicht, dass morgen deine Chats öffentlich sind, aber wenn du sehr private Informationen in ein technisches System eingibst, gibst du ein Stück Kontrolle darüber ab.

Besonders heikel sind deshalb:

  • echte Namen, Adressen oder Telefonnummern
  • Gesundheitsdaten, Diagnosen oder Medikamente
  • sehr intime Beziehungsthemen
  • private Informationen über Kinder, Partner:innen, Freund:innen oder Kollegen
  • hochgeladene Dokumente, Screenshots oder Nachrichten anderer Menschen
  • geteilte Chat-Links mit persönlichen Inhalten

Wichtig: Das größte Risiko ist nicht, dass sofort etwas Schlimmes passiert. Das Risiko ist, dass du mit der Zeit mehr preisgibst, als du später noch kontrollieren kannst. Deshalb gilt: Je intimer das Thema, desto weniger echte Details gehören (langfristig und dauerhaft) in den Chat.

Fazit: ChatGPT nutzen, aber bewusst

ChatGPT kann ein hilfreiches Werkzeug sein, wenn du Gedanken sortieren, persönliche Themen reflektieren oder einen ersten Abstand zu einer Situation bekommen möchtest. Gerade deshalb ist es wichtig, nicht alles ungefiltert in einen einzigen Account zu schreiben.

Je privater das Thema ist, desto vorsichtiger solltest du mit echten Daten sein. Eine neutrale E-Mail-Adresse, ausgeschaltetes Training, bewusste Erinnerung, temporäre Chats für sensible Themen und regelmäßiges Aufräumen helfen dabei, mehr Kontrolle zu behalten.

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Geschrieben von
Redaktion

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