„Das Universum sendet dir Zeichen.“ „Du darfst darauf vertrauen, dass Gott einen Plan für dich hat.“ Sätze wie diese begegnen einem bei spirituell-esoterischen Influencer:innen auf Social Media oder in Podcasts regelmäßig. Mal ist von Gott die Rede, mal vom Universum, mal von einer höheren Macht, und meist so, als wären das nur verschiedene Wörter für ein und denselben Glauben.
Gerade von Menschen, die sich als Expert:innen für moderne Spiritualität verstehen, dürfte man hier etwas mehr Genauigkeit erwarten. Denn hinter dem Glauben an Gott steht eine andere Vorstellung als hinter dem Vertrauen in das Universum. Worin genau der Unterschied liegt und warum beides trotzdem so oft in einen Topf geworfen wird, erfährst du in diesem Artikel.
Was bedeutet es, an Gott zu glauben?
Im Christentum, der in Deutschland am weitesten verbreiteten Religion, ist Gott der Schöpfer des Universums. Er hat alles geschaffen: die Erde, die Sterne, die Menschen. Das Universum ist also nicht Gott selbst, sondern seine Schöpfung.
Gleichzeitig ist Gott ein Gegenüber, zu dem Menschen eine Beziehung haben können. Christen sprechen im Gebet mit ihm, suchen bei ihm Halt und Trost und richten ihr Leben an ihrem Glauben aus. Dazu gehören die Gebote, die Nächstenliebe, der Gedanke von Schuld und Vergebung und die Hoffnung, dass das Leben nicht mit dem Tod endet.
Gläubige können Gott um Hilfe bitten und hoffen, dass er ihnen beisteht. Einen Anspruch darauf, dass ein Wunsch erfüllt wird, haben sie aber nicht. Auch ein Leben nach christlichen Werten ist keine Garantie dafür, dass einem nichts Schlimmes passiert. Der Glaube beruht auf Vertrauen; auch dann, wenn es anders kommt als erhofft.
Was heißt es, an das Universum zu glauben?
An die Existenz selbst muss man eigentlich nicht glauben – es ist ja da. Wer sagt „Ich glaube an das Universum“, meint also etwas anderes.
In der modernen Spiritualität und auf Social Media steht dahinter in der Regel die Vorstellung, dass das Universum konkret und aktiv auf den Menschen reagiert. Grundlage sind esoterische Konzepte wie das sogenannte Gesetz der Anziehung und die Idee des Manifestierens: Gedanken, Gefühle und Visualisierungen sollen beeinflussen können, was einem im Leben passiert.
Das Universum soll demnach Zeichen senden, Wünsche erfüllen und den ersehnten Partner, Erfolg oder Geld ins Leben bringen. Dabei ist inzwischen häufig vom „Empfangen“ die Rede: Man soll sich für das Gewünschte öffnen, damit es ins eigene Leben kommen kann. Bei spirituell-esoterischen Influencer:innen wird dies häufig von „Prayers“ oder „Blessings“ begleitet.
Es gibt aber auch Menschen, die unter dem Universum einfach das Vertrauen verstehen, dass die Dinge einen Sinn haben. Wenn spirituell-esoterische Influencer:innen das Universum mit Gott in Verbindung bringen, geht es aber häufig um das Universum, das Wünsche erfüllt.
Der Glaube an Gott verspricht Sinn.
Der Glaube ans Universum verspricht Wirkung.
Wann der Glaube ans Universum zum Problem werden kann
Das Wort „Universum“ selbst ist natürlich nicht das Problem. Wer darauf vertraut, dass es eine größere Ordnung oder einen tieferen Sinn gibt, trifft eine persönliche Glaubensentscheidung, und die muss niemand rechtfertigen.
Schwierig wird es aber, wenn daraus Regeln und feste Überzeugungen werden. Zum Beispiel, wenn man glaubt, bestimmte Sätze nicht mehr aussprechen zu dürfen, weil das Universum sie falsch verstehen könnte. Oder dass negative Gedanken negative Ereignisse anziehen. Oder dass das Universum liefert, sobald man nur richtig manifestiert.
Diese esoterischen Regeln können das Denken und Handeln verändern und damit ganz konkrete Auswirkungen auf das eigene Leben haben. Eine psychologische Studie zum Manifestationsglauben zeigt beispielsweise Zusammenhänge mit unrealistischeren Erfolgserwartungen und riskanteren finanziellen Entscheidungen. Aber die Auswirkungen können auch viel alltäglicher sein:
Aus Hoffnung kann der Druck entstehen, ständig „richtig“ denken und fühlen zu müssen. Gleichzeitig kann der Glaube auch passiv machen: Wer davon ausgeht, dass Visualisierungen und Verhalten die eigene Realität beeinflussen, verlässt sich womöglich eher darauf, statt selbst aktiv zu werden.
Zwei große Begriffe = ein großes Spiritual Business
Gott und Universum in einem Atemzug zu nennen, wirkt erst einmal offen und harmonisch, als wären es einfach zwei verschiedene Namen für dieselbe höhere Macht. Außerdem klingt es modern: Gott ist dabei, aber ohne Kirche, Gebote oder religiöse Verpflichtungen.
Für spirituell-esoterische Influencer:innen bringt diese Verbindung aber gleich einen dreifachen Vorteil: Die Nähe zu Gott verleiht ihnen eine spirituelle oder sogar heilige Aura, sie gibt den esoterischen Inhalten einen vertrauten Anstrich – und gleichzeitig lassen sich damit hervorragend Produkte und Kurse vermarkten.




